Reisebericht – Watzmann Berchtesgardener Alpen

Wir brauchten zwei Anläufe für den Watzmann (2713m). Die Kraxelei mit den 3 Gipfeln ist eine echte Tour der Superlative und gehört mit den fast 3 km Länge sicherlich zu den schönsten Überschreitungen der Ostalpen.

Unseren ersten Versuch unternahmen wir 2009. – Los ging es mit der Bahn um 09:00 Uhr, da wir mit dem Hessen und Bayern Ticket (also Nahverkehr) fahren wollten, um Geld zu sparen. So kamen wir dann nach einigen Aufenthalten auf verschiedenen Bahnhöfen gegen 21 Uhr in Berchtesgarden an.

Wir machten uns auf den Weg zum Watzmannstock, um zu kampieren. Schließlich hatten wir uns vorgenommen die Tage im Biwaksack zu übernachten. Viel Erfahrung damit hatten wir jedoch noch nicht und gingen also eher unbedarft an die Sache heran. Gegen 23 Uhr erreichten wir die Wimbachbrücke (634m). Nach einigem Suchen hatten wir einen geeigneten Platz gefunden. Gesagt getan; wir breiteten die Plane aus, kochten Ravioli und tranken Tee. Gegen 24 Uhr lag dann jeder in seinem Biwaksack.

Links: wir beziehen unser Lager - Rechts: Leider erst im Hellen am nächsten Morgen entdeckt

Morgens gegen 05:00 Uhr wurde ich von einem lauten Rattern geweckt. Ich machte die Augen auf und bekam fast einen Herzinfakt. Direkt auf unsere Liegefläche kam ein Kettenfahrzeug zugeschossen, das anhielt und die Luken öffnete. Soldaten stiegen aus und stellten sich neben uns auf. Ich war noch total verschlafen und verstand die Welt nicht mehr. Später wurde schnell alles klar. Wir hatten unser Lager am Rand des Parkplatzes bezogen, hatten das nachts allerdings nicht mehr gesehen, da wir direkt unter dem passenden Schild lagen „Camping verboten“. Die Soldaten gehörten zu den Gebirgsjägern, die am Watzmann trainierten. Später sind wir ihnen dann wieder begegnet. Also standen wir ebenfalls auf, schließlich waren wir nach dem Schock hell wach. Nach 3,5 Stunden Aufstieg erreichten wir das Watzmannhaus (1915m). Unser Plan war es, das Hocheck (2651m) zu besteigen – einen der drei Watzmann Gipfel. Allerdings war es recht gewittrig, sodass wir den Plan schnell verwarfen und auf der Hütte chillten und früh ins Bett gingen. Am nächsten Morgen also schon um 04.00 Uhr aufstehen konnten. Das machte sich bezahlt, wie sich zeigen sollte.

Morgenstund hat Gold im Mund

Der Sonnenaufgang war wirklich toll mitanzusehen!

Bereits um 07.00 Uhr waren wir am Hocheck und konnten einen tollen Sonnenaufgang bestaunen. Auf dem Weg sahen wir noch einige Gämse. Wir waren uns aber einig, dass wir uns die Überschreitung noch nicht zutrauten, als wir uns die ersten Meter angeschaut hatten.

Links: Der Grat liegt vor uns - Rechts: 20 Minuten später

Außerdem ließen die aufziehenden Wolken nichts Gutes erahnen. So schworen wir uns wiederzukommen und stiegen im aufkommenden Nebel wieder ab. Stattdessen machten wir noch einen Abstecher zum Grünstein (1304m). Unsere Einschätzung vom Morgen bestätigte sich und Regen und Gewitter begleitete uns den gesamten Tag.
Am Königssee angekommen, machten wir den Fehler, unsere Schuhe nach den 2000 Höhenmetern Abstieg auszuziehen und im Wasser zu kühlen: Keine gute Idee. Denn es war fast nicht mehr möglich die Schuhe anzuziehen… 😉

Abendlicher Abstecher zum Königssee

Auf dem Rückweg gab es noch ein leckeres Schnitzel. Schließlich suchten wir uns wieder einen Platz für unser Biwak und legten uns in einen Park, wo wir nachts noch Jugendliche trafen, die von einer Party heimliefen und sich sehr erschreckten als sie die 3 Gestalten auf der Plane liegen sahen. Am nächsten Morgen ging es also wieder mit dem Zug zurück.

ZEITSPRUNG: 3 Jahre später – neuer Versuch der Überschreitung des Watzmanns

Am GrünsteinklettersteigNachdem es mittlerweile wieder in Vergessenheit geraten war, dass wir den Watzmann noch überschreiten wollten, wurde es in 2012 dann schnell konkret und wir fuhren mit dem Auto hin. Wieder war die Zeit knapp, sodass wir erst abends losfahren konnten und so erst um 03:00 Uhr nachts ankamen. Den Schlafplatz am Parkplatz kannten wir schon, sodass wir wieder unsere Plane auspackten…Dieses Mal waren wir aber vorbereitet und ließen uns nicht überraschen. Bevor die ersten Leute kamen, war alles verstaut und wir wechselten auf einen Campingplatz.

Dieses Mal waren wir besser vorbereitet und das Ziel war klar: Am ersten Tag wollten wir über den Grünsteinklettersteig bis zur Biwakschachtel am Hängebrücke am GrünklettersteigHocheck aufsteigen, die wir 3 Jahre zuvor bereits angeschaut hatten. Am zweiten Tag stand dann die Überschreitung der 3 Gipfel an, sowie der Abstieg an. Also starteten wir mit dem Grünsteinklettersteig, einer sehr tollen Route, die für Klettersteiggeher fast alles bietet, was man sich wünscht, einschließlich Hängebrücke.

Unser Ziel - den Watzmann - haben wir  immer vor Augen

Der Aufstieg zum Watzmannhaus über den Falzsteig war ein echter Genuss und am Watzmannhaus nutzten wir das schöne Wetter für eine ausgiebige Rast und eine Stärkung. Schließlich hatten wir keine Eile. Den Weg zum Hocheck Gipfel kannten wir ja bereits und wir waren uns sicher, dass wir in der Schachtel allein sein würden. So wollten wir erst später gestärkt aufsteigen, um nicht all unsere Reserven aufzubrauchen. Als wir zum Sonnenaufgang die Biwakschachtel erreichen, wurden wir aber bereits von 3 Bergsteigern erwartet, die sich schon ausgebreitet hatten. Jeder Quadratzentimeter wurde also genutzt und es wurde recht gemütlich.

Auf dem Weg zur Biwakschachtel

Am nächsten Morgen schauten wir aus dem Fenster und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Die kurzen Nächte waren schnell vergessen. Das Wetter war perfekt! Wir frühstückten und konnten es gar nicht abwarten mit der Kletterei zu beginnen. Schließlich ging es direkt ab der Schachtel in den Klettersteig bzw. die Gratkletterei. Der Grat war doch recht luftig, aber ein voller Genuss. Im ständigen Auf und Ab ging es also am Grat entlang, teilweise mit Draht gesichert, teilweise nicht. Der Tiefblick und der Blick in die Ferne war ein Traum! Wir konnten die Tour richtig genießen. So schön die Überschreitung war, so schlimm wird der nicht enden wollende Abstieg vom Südgipfel: stets steil und fordernd. Zum Glück lag noch einiges an Schnee, sodass wir auf den Schuhen heruntersliden konnten. 😉 Der Rückweg durch das Wimbachtal verlangte uns noch einmal alles ab und es galt die Zähne zusammenzubeißen. Abends ging es dann wieder zum Schnitzelessen in unser „Stamm-Lokal“.

Unterwegs am Grat

Teilweise war es recht luftig da oben ;)

Den nächsten Tag nutzten wir noch, um auf einem verfallenen Steig den Königssee zu umrunden, zumindest zu einem Teil. Der Steig, der mittlerweile fast gänzlich verfallen war und dem fast jede Markierung fehlte, forderte uns richtig. Wir konnten noch in einem Gebirgsbach baden und genossen den Wasserfall, der uns eine ordentliche Abkühlung bescherte. Schließlich gings mit dem Boot wieder zurück nach Schönau, wo es heute wieder ein leckeres Schnitzel gibt. Ihr wisst schon wo. 😉

Die Tour war wirklich einmalig, zumal wir fast allein unterwegs waren. Was lange währt, wird endlich gut!

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