Reisebericht Ötztal – Gletschertour auf die Wildspitze

Gletschertour auf die Wildspitze im ÖtztalHeute möchte ich euch von einer schönen Gletschertour auf die Wildspitze (3768m), Österreichs zweithöchsten Berg, berichten.

Montags um 09:00 Uhr starteten wir mit einer Gruppe von 11 Personen in Richtung Pitztal. Der Beginn der Tour stand dieses mal unter keinem guten Stern: Ich hatte bereits Blasen an den Füßen bevor es losging, da ich mir meine neuen steigeisenfeste Schuhe zu spät gekauft hatte, aber noch einlaufen wollte. Also war ich einige Tage vorher mit den Schuhen Wandern gegangen, was keine allzu gute Idee so kurz vor der Tour gewesen war. Nochmal passiert mir das ganz sicher nicht…

Gegen 16:30 Uhr erreichten wir Mittelberg (1736m) im Talschluss des Pitztals. Von dort stiegen wir zum Taschachhaus (2434m) auf, das wir um 19.00 Uhr erreichten. Am Abend gab es noch den Klassiker Nudeln mit Tomatensoße vor der Hütte, da wir uns selbst versorgten. Durch einen Rechenfehler war es allerdings recht knapp, sodass wir letztendlich doch auf der Hütte aßen. Naja, so wurde die Kochausrüstung eben mal spazieren getragen. Bereits an diesem Abend verfluchte ich meine schlechte Zeitplanung, da meine Blasen trotz Blasenpflaster ohne Ende schmerzten.

Am nächsten Morgen konnten wir ausschlafen, da es sowieso regnete. Wir entschlossen uns dazu keine Bergtour zu unternehmen, sondern unsere Fähigkeiten im Spaltenbergen zu verbessern und wieder aufzufrischen. Der Taschachferner ist hierzu gut geeignet, da er im unteren Bereich ziemlich zerklüftet ist. Wir liefen also auf einem Höhenweg zum Gletscher, vorbei an einer im 2. Weltkrieg abgestürzten Boing B-17 und legten dann am Gletscher die Steigeisen an. Um das Laufen mit Steigeisen Ein Freiwilliger hüpft in die Spalteund Pickel zu optimieren ging es auf dem Gletscher also rauf und runter. An einer guten Stelle angekommen, übten wir die Gletscherspaltenbergung mit dem Schweizer Flaschenzug. Per “Schnick Schnack Schnuck“ wurde ein „Freiwilliger“ gefunden, der angeseilt in die Gletscherspalte hüpfte. Mittels Eisschrauben, Prusikschlingen, Eispickel und unserer Kraft konnten wir ihn dann wieder aus der Spalte ziehen. Doch allzu lange hielten wir es auf dem Gletscher nicht aus, da uns die Kälte unter die Kleidung kroch. Wir bauten alles ab und machten eine kleine Wanderung zum Ende des Gletschers, an dem ein schönes Gletschertor ist. Ziemlich ausgekühlt ging es dann zur Hütte, in der wir uns aufwärmten und ich mir einen leckeren Apfelstrudel gönnte.

Unterwegs im Gletscherbruch

Am nächsten Morgen standen wir bereits früh morgens um 05:30 Uhr auf, da wir eine große Tour vor uns hatten. Auf dem Tagesplan stand die Wildspitze, der höchste Berg Tirols und zweithöchste von Österreich. Die Überlegung war es, die Wildspitze und die Petersenspitze (3472m), einen benachbarten Gipfel, zu überschreiten. Wir rechneten mit 10 Stunden, um diese größere Runde zu schaffen. Um 06:30 Uhr starteten wir also. Für heute war überraschend traumhaftes Wetter angekündigt worden und die Prognose stimmte. Wir waren allein auf dem Weg, da vermutlich kaum jemand nach dem schlechten Wetter am gestrigen Tag mit Sonnenschein gerechnet hatte.

Ein toller Tag steht uns bevor

Entlang der Gletscherzunge ging es an einer Seitenmure steil aufwärts. Wir versuchten den Gletscher, wenn es möglich war zu umgehen, doch einige Male mussten wir ihn queren. Die Besteigung erfolgte schließlich von der anderen Seite, sodass wir die Wildspitze quasi umrundeten. Bereits am frühen Morgen brannte die Sonne unbarmherzig auf uns herunter. Dementsprechend war es um den „Schnee“ bestellt, der vollkommen aufgesulzt war. Wir sanken so tief ein, dass wir bald die Steigeisen ablegten. Konditionell kamen wir langsam an unsere Grenzen. Der Aufstieg mit den schweren Schuhen (1500g, da D Sohle + Steigeisen +viel Schnee trotz Antistollplatten) war sehr anstrengend. War es morgens beim Laufen mit den Steigeisen noch mit den Schmerzen meiner Blasen gegangen, wurde die Besteigung beim Rutschen im Schnee zur wirklichen Willensprobe.

Tolle Gletscherformationen

Bei jedem Schritt wurde ich wieder an meine Füße erinnert… aber ich konnte mich durchbeißen. Gegen 12:45 Uhr erreichten wir den Gipfel (3768m) über ein Geröllfeld. Hier blies der Wind, aber dank der Sonnenpower war es angenehm warm. Das Wetter war genial und die Sicht entlohnte für alles.

Tolle Gratwanderung zwischen den Gipfeln

Der Abstieg über ein Geröllfeld verlangte dann aber höchste Konzentration und ich war froh über meine knöchelhohen Schuhe. Beim Aufstieg hatten wir kaum Pausen gemacht, die wir nun endlich nachholten. Die Steigeisen zogen wir gar nicht mehr an, denn der Schnee war mittlerweile so weich, dass man herunterrutschen konnte. Dementsprechend schnell kamen wir voran. Der Gegenanstieg auf die Petersenspitze, unserem zweiten Gipfel, war nicht lang, aber wirklich eine Tortur. Schließlich war der Schnee so weich, dass man mehr das Gefühl hatte sich hoch zu wühlen als hoch zu gehen. Auch die Schmerzen an den Füßen wurden nicht besser…

Blick zum Taschachhaus

Wir folgten dem Grat, der immer schmaler wurde. Unser Tourenplaner wollte gerne einen Umweg umgehen und setzte seine Meinung durch, eine „Abkürzung“ zu gehen. Diese Verlief direkt über einen Grat. Mitten auf dem Grat mussten wir aber feststellen, dass dieser äußerst brüchig war. Mitgegangen, Mitgehangen…. Da wir alle angeseilt waren und das Seil auf Spannung gehalten werden musste, ging es also wie beim Dominoday immer gleichzeitig weiter. Machte der erste einen Schritt, folgten alle anderen. Man wurde schon sehr gezogen und musste alle Konzentration zusammen nehmen, nicht daneben zu treten. Mir schlug das Herz bis zum Halse, schließlich musste man permanent damit rechnen, dass einer vom Grat fiel und man schnell auf die andere Seite des Grates springen muss, um den Absturz der ganzen Seilschaft zu verhindern. Auf dem schmalen Grat wäre es nicht möglich gewesen jemanden zu halten.

Stapfen Stapfen und nochmal StapfenStapfen Stapfen und nochmal Stapfen

Zum Glück passierte nichts und wir erreichten nach einem steilen Abstieg wieder den Gletscher. Vorbei an den Gletscherspalten kamen wir um 17:45 Uhr, also nach etwa 11h wieder an der Hütte an und waren sehr stolz. Zur Feier des Tages gab es Nudeln mit Käse-Sahne-Soße und einen leckeren Germknödel, gefolgt von dem ein oder anderen Bier. 😉 Am Abend beschlossen wir nach diesem tollen Erfolg, schon am nächsten Tag abzureisen, da das Wetter erneut sehr schlecht werden sollte. So verbrachten wir den nächsten Tag also in der Kletterhalle in Imst und waren um 22:30 Uhr wieder daheim.

Abschied vom Taschachhaus

Hier noch ein paar weitere Bilder von meiner Gletschertour auf die Wildspitze im Ötztal:

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