Reisebericht – Mont Blanc Besteigung – Teil3

Bei den Vorbereitungen auf unsere Mont Blanc Besteigung konntet ihr uns in Teil 1 unserer Artikelreihe über die Schulter schauen. In Teil 2 haben wir unsere Packliste abgearbeitet und ihr konntet uns dabei begleiten, wie wir den ersten Teil der Tour auf die Hütte „Têtes rousses“ auf 3167m zurückgelegt haben. Jetzt kommt das Highlight: Der Gipfel des Mont Blanc wartet auf uns!

Die letzte Etappe: Der Gipfel des Mont Blanc

Auf dem Weg zum Gipfel-rechts die Baustelle der neuen Refuge du GouterTag 2: An diesem Morgen müssen wir nicht so früh aufstehen und haben Zeit, ein gemütliches Frühstück zu genießen, da wir nämlich noch auf einen weiteren Bergführer warten. Ab „Tête Rousses“ geht man in 3-Personen-Seilschaften weiter, ein Zeichen dafür, dass es ernst wird. Um 10 Uhr legen wir los. Unser Ziel für heute ist die „Goûter“ Hütte (3835 m). Also die alte Version, die neue Hütte befindet sich noch im Bau, was sich leicht an den Hubschraubern, die ununterbrochen mit Baumaterialien hoch und runter fliegen, erkennen lässt. Aber das interessiert uns momentan eher weniger. Denn wir sind am „Goûter“ Couloir angekommen und jetzt sind Konzentration, Geschwindigkeit und Aufmerksamkeit gefragt.

Rechts: unser zweiter Bergführer - Links:- Der gefährliche und technikerfordernde couloir du Gouter

Der „Couloir du Goûter“ ist für seine ständig und mit höchster Geschwindigkeit runterrollenden Steine bekannt und hat traurige Berühmtheit erlangt: zwischen 1990 und 2011 sind hier 74 Bergsteiger ums Leben gekommen und 180 Menschen wurden verletzt. Und das alles auf einer Breite von 100 m.

Peu à peu also: Geschützt vom Felsen warten wir am Rand und Seilschaft nach Seilschaft überquert diesen Steilhang. Jeder kleine Fehler kann hier tödlich sein und unsere Helme sind nur ein relativ geringer Schutz bei Steinen, die mit großer Geschwindigkeit hinunterrasen. Wir schaffen es ohne Problem…also für dieses Mal. Wir werden wieder auf dem Rückweg hier durch müssen. Es geht weiter hoch in einen technischen Kletterteil im Fels, bis zu dem alten „Refuge du Goûter“ und das alles mit Steigeisen. Unser Plan: hier übernachten und morgen früh um 3 Uhr loslaufen, damit wir um 8 Uhr am Gipfel ankommen und dann noch genügend Zeit für den kompletten Abstieg haben. Nicht nur Zeitmanagement spielt hierbei eine Rolle, sondern auch die Sicherheit: Früh morgens oder am späten Nachmittag sollte man den Gipfel erreichen, da es kühler ist und Schnee und Eis so fester und sicherer sind. Schöner Nebeneffekt: das Licht ist viel schöner zu dieser Uhrzeit!

Doch dann bekommen wir vom Hüttenwart einen Wetterbericht. Heute Nacht sollen Regen und Gewitter aufziehen (Schnee über 4000m). Wenn wir den Gipfel erreichen wollen, müssen wir unseren Plan ändern. Nun ist es 15 Uhr und eine kleine Verschnaufpause liegt hinter uns. Wenn wir jetzt loslaufen, können wir um 20 Uhr am Gipfel sein und um 22 Uhr zurück im „Refuge du Gôuter“. Es gibt keine andere Möglichkeit. Alle sind einverstanden; Trotz Müdigkeit werden wir es probieren. Wir legen los und steigen wieder in Seilschaft. Die ersten beiden Stunden sind gemütlich, die Aussicht ist magisch und wir genießen die Sonne und die frische Luft. Dann kommt die „Arête des Bosses“ und es wird wieder wirklich ernst. Wir besteigen den sehr steilen und engen Berggrat.

Das Wetter schläg um und zwar schnell

Und von einem Moment zum anderen bemerken wir, wie die Luft dünner wird. Dennoch: die steilen Hänge auf beide Seiten geben ein beeindruckendes Höhengefühl. Jeder Schritt raubt unheimlich viel Kraft. Jeder lange und schwere Atemzug – ein Schritt… alles ist viel langsamer. Und dann geht alles schneller als geplant. Die für die Nacht vorhergesagten Wolken ziehen langsam, aber stetig aus dem Tal hinauf zu uns. Der wohl unschönste Teil der Arbeit für die Guides: sie müssen jetzt entscheiden, ob wir weiter gehen oder gleich runterlaufen. Der Luft wird elektrisch, aber wir sind nur noch 30 min vom Gipfel entfernt. Nach kurzem Abwägen ist die Entscheidung gefällt: wir gehen weiter.

Die letzten Meter sind noch schwieriger als bisher. Dazu wird es deutlich kälter und der fehlende Sauerstoff macht jede Bewegung zur Qual. Dennoch: geschafft, aber glücklich gelingt es uns, den Gipfel zu erreichen. Doch uns bleibt kaum Zeit, den Erfolg zu genießen… im Eilschritt müssen wir gleich wieder in den Abstieg und zwar schnell: das Gewitter ist überall um uns herum und wir können die elektrische Spannung bereits fühlen. Und dann kommt das Kommando: „So Leute, aber jetzt rennen!“ . Uns bleibt keine andere Wahl: wenn der Blitz da oben einschlägt, sind wir die einzigen Ziele, die es gibt. Mit Steigeisen und in Seilschaft rennen wir den Berg hinab! Das Risiko ist enorm und die Spannung ist nicht nur in der Luft zu fühlen. Jeder von uns weiß, dass in diesem Augenblick kein Fehler gemacht werden darf! Und dann passiert es…

Der Grat Arête des bosses und Gipfel des Mont Blanc

…eine Gefährtin ist zu erschöpft, um weiterzurennen. Kraftlos und außer Atem lässt sie sich in den Schnee fallen. Gut, dass unser Guide so durchtrainiert ist. So nimmt er sie kurzerhand huckepack und wir verteilen ihr Material unter uns anderen Kletterern.
Endlich nach 1,5 Stunde nonstop bergab sind wir zurück am „Refuge du Gôuter“. Der Hüttenwart ist froh uns zu sehen, da er schon kurz davor war, die Bergwacht zu rufen. Die wohlverdiente Mahlzeit schmeckt besonders gut und total müde und erschöpft schlurfen wir in den Schlafsaal. Diesmal ist der Körper stärker als der Geist: trotz all der Aufregung schlafen wir in wenigen Sekunden wie ein Stein.

Auf dem Weg zum Gipfel - ein unvergesslicher Ausblick!Tag 3: Am letzten Tag geht es wieder runter direkt nach Chamonix… im Regen. Es ist ein schöner Weg, sehr technisch am Anfang. Es folgt wieder die spannende Überquerung von der „Couloir du Gôuter“, aber wir haben unser Abenteuer bereits gehabt und alles geht gut und ohne weitere Probleme erreichen wir den Gletscher. Ab hier ist es im Vergleich zu vorher fast schon ein Sonntagspaziergang bis runter zur Tramway. Als wir abends ankommen, sind wir müde, aber unheimlich froh: so viele schöne Bilder und unvergessliche Eindrücke und Erfahrungen, die wir nun auf immer bei uns tragen.
Diese Erfahrung war magisch und eine Lehre ist mir geblieben:

Oben ankommen ist immer noch nur der halbe Weg. Solange man nicht
sicher wieder untern angekommen ist, ist der Berg noch nicht besiegt.

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