Reisebericht Brasilien – Unterwegs auf der Insel Boipeba

Brasilien ist ein tolles Land! Da es aber fast so groß wie Europa ist, schafft man es auf einer Kurzreise nicht, alle Facetten dieses Landes kennenzulernen.
Vor 2 Jahren hatte ich das Glück einen winzigen Teil kennenzulernen und möchte euch von schönen Tagen auf einer interessanten Insel berichten, auf der es statt Autos nur Pferdewagen gab, und ich mich aufgrund der Ursprünglichkeit wie Robinson Crusoe oder Jim Captain Flint fühlte…

Da Autos auf der Insel verboten sind, ist die Pferdekutsche eines der Hauptfortbewegungsmittel - das erklärt auch die Beschilderung vorm Park ;)

Wir staunten nicht schlecht, als unser Guide mit den bloßen Händen und einem Stock die etwa handgroßen Krabben fing, die wir später essen wollen.
Doch wie waren wir eigentlich in den Mangrovenwald gekommen, in dem wir teilweise hüft-/brusthoch im trüben Wasser standen und nicht wussten, was sich unter der Wasseroberfläche befand?

Auf der spannenden Anreise von Salvador nach Boipeba hatten wir eine Holländerin kennengelernt. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und als wir sie später auf der Insel wieder trafen, fragte sie uns, ob wir nicht Lust hätten mit zum Krabbenfangen zu gehen. Mehr wussten wir also zunächst nicht. Wir sagten also nichts ahnend zu. Diese Begegnung war der Beginn eines nervenaufreibenden Abenteuers.

 
Der Ausflug begann harmlos und wir schauten uns auf dem Weg zum Krabbenfangen ein Haus am Dorfrand an, das jemand (komplett allein) aus alten Plastik und Glasflaschen baut. Das war sehr eindrucksvoll.

Interessanter Hausbau aus Plastik- und Glasflaschen

Weiter ging der kulinarische Weg durch den Urwald. Denn wir sammelten verschiedenste Früchte, die wir – frisch geerntet – gleich probieren konnten, unter anderem eine Ananas und die Caju Frucht.

Bei der Ananas-Ernte

Der Anfang der MangrovenDer Weg verlief durch viele Landschaften mit unterschiedlicher Vegetation und wurde schließlich immer schmaler. Wir waren immer noch der Meinung Krebse mit der Angel oder ähnlichem zu fangen. Schließlich waren wir naiv und unvorbereitet mitgekommen, hatten uns aber an den Rat gehalten Badesachen anzuziehen. Diese zogen wir also auf Ansage an, dachten uns aber nichts dabei.Die ersten Meter in der sumpfigen Landschaft dachte ich noch, dass wir nun eine kurze Strecke durch den Mangrovenwald zu überwinden hätten, um zum versprochenen Platz zum Krabbenfangen zu kommen. Doch weit gefehlt! Denn genau hier, im Mangrovenwald sollten sie gefangen werden. Es dauerte auch nicht lange und wir sahen überall (!) die Krebse. Überall knackte es um uns herum vom Schließen der Zangen der Krebse. Das war schon sehr unheimlich, zumal wir bis zum Knie im trüb-braunen Wasser standen und nicht wussten, was da unter der Wasseroberfläche los war. Da hatte man schon immer mal das Gefühl es würde zwicken…Unser „Guide“ war in seinem Element und fing die großen Krebse mit einem Stock und seinen Händen! Das war wirklich unglaublich! Sobald er einen hatte nutzte er die Füße/Schere, um sie gegenseitig zu blockieren und steckte sie in eine Tüte! Wir kämpften uns also Meter um Meter vorwärts, stets auf der Suche nach geeigneten Krebsen (Größe und Geschlecht waren für die Auswahl wichtig!). Bei jedem Schritt musste man also den Fuß aus dem Schlamm ziehen und beim Aufsetzen warten, bis man wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Das war ganz schön nervenaufreibend, zumal wir insgesamt ca. 1½ Stunden im Schlamm unterwegs waren.

 
Es wird immer tiefer und unsere Anspannung immer größer.

Als es schließlich hieß, wir hätten genug Krebse gefangen, war ich erst einmal beruhigt. Trugschluss! Denn der Wasserpegel war mittlerweile gestiegen und wir konnten den Weg nicht zurückgehen, sodass wir eine Alternativroute vor uns hatte. Hier standen wir dann zeitweise hüft- bis brusthoch im Wasser und mussten unsere Rucksäcke auf dem Kopf transportieren. Mit meiner Ruhe war es ab da dann wirklich vorbei…
Als wir 15 min später das Festland erreichten war ich total geschafft und sehr froh, dass nichts passiert war. Abends wurden die Krebse dann mit einigen Bekannten der Freundin unserer Bekannten (sorry, das war nun ein wenig kompliziert) gekocht und gegessen. Das war schon recht gruselig und ist bestimmt nicht jedermanns Sache, wenn sie zuerst noch in der Spüle rumkrabbeln und dann zum Abschied noch mal aus dem Topf winken. Abends gönnten wir uns zur Beruhigung erst mal einen Caipirinha, der ist hier besonders gut. 😉

Das selbst gefangene Abendessen ist aufgetischt.

Am nächsten Tag hieß es dann zum Ausgleich erst mal entspannen. Als wir am Strand entlang liefen, wurden wir gefragt, ob wir zu den „Piscinas Naturales“ wollen und sagten kurzer Hand zu. Nun ging es also auf einem kleinen Bot mit dem Fährmann ca. einen Kilometer raus Richtung Meer über verschiedene Korallenriffe. Dort angekommen wurde es zunehmend flacher und er hielt an. Wir waren in einer Art Sandbank angekommen, eingezäunt von Korallenriffen. Hier gab es tolle Fische zu bestaunen und die Möglichkeit Kokosnusssaft zu trinken, was wir gerne taten. :)

Einfach paradiesisch!

Abends wieder zurück auf der Insel wurden wir von einem großen Tumult im Ort begrüßt. Überall waren Menschen und es gab tolle Sambaklänge mit Trommeln und einer Musikkapelle. Mitten in der Menge konnten wir überdimensionierte „heilige 3 Könige“ erkennen, die zu den Sambaklängen tanzten. Wir hatten ganz vergessen, dass der 06. Januar war, freuten uns aber über die tolle Sambashow und waren ganz fasziniert, wie sich verschiedenste Bräuche zu neuen Ritualen mischen können.

Die brasilianische Version der heiligen 3 Könige. Leider ist das Bild ein wenig dunkel geworden, sorry!

Leider mussten wir uns nun von Boipeba, dieser paradiesischen Insel, verabschieden. Gerne würden wir wieder kommen!!! Leider wird die Insel auf kurz oder lang ihre Ursprünglichkeit verlieren, da mit dem Bau von Wellnesshotels begonnen wurde. Die Tage der wenigen Reisenden scheinen gezählt zu sein.

Der Abschied fiel uns wirklich schwer!

Die Rückfahrt bei starken Regen war noch einmal ein Kapitel für sich. Wir hatten uns für die Variante in einem Schnellboot entschieden (1h statt 4½h). Was wir nicht wussten war, dass es so stark regnete, sodass das ganze Boot mit Planen zugehängt wurde. Lediglich auf einer Seite blieb ein „Guckloch“ für den Fahrer, der gelegentlich seinen Kopf nach draußen steckte, ansonsten aber nach Gefühl fuhr. Das alles in einem Schnellboot, wo man die Geschwindigkeit die ganze Zeit durch das Hüpfen spürte. Wir hatten keine Verspätung! Abends kamen wir zum Glück wieder wohlbehalten in Salvador an…

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